Jan 18th, 2007
Die deutsche Piratenpartei macht sich
Nach dem Skandal um die Durchsuchung des Piratbyrån in Schweden [wiki] wurde auch hier in Deutschland mit relativ kurzer Verzögerung eine Piratenpartei [link] gegründet. Mittlerweile ist sie eine Partei (Kurzbezeichnung PIRATEN) mit Bundesverband und einigen Landesverbänden und hat eine recht aktive Community.
Was mich wirklich beeindruckt hat, ist das Parteiprogramm [link]. Auf nur neun Seiten werden wirklich wichtige und oft unterschätzte Probleme der Wissensgesellschaft angesprochen. Besonders lesenswert ist folgender Absatz über Kopierschutz etc.:
Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielfältigung von Werken be- oder verhindern (”Kopierschutz”, “DRM”, usw.), verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab.
Darüber hinaus behindern sie auf vielfältige Art und Weise die berechtigte Nutzung von Werken, erschaffen eine vollkommen inakzeptable Kontrollierbarkeit und oft auch Überwachbarkeit der Nutzer und gefährden die Nutzung von Werken durch kommende Generationen, denen der Zugang zu den heutigen Abspielsystemen fehlen könnte.
Zusätzlich stehen die gesamtwirtschaftlichen Kosten für die Etablierung einer lückenlosen und dauerhaft sicheren Kopierschutzinfrastruktur im Vergleich zu ihrem gesamtwirtschaftlichen Nutzen in einem extremen Missverhältnis. Die indirekten Folgekosten durch erschwerte Interoperabilität bei Abspielsystemen und Software erhöhen diese Kosten weiter.Quelle: Parteiprogramm der Piratenpartei Deutschland S. 3
Wahre Worte. Statt die verlust- und praktisch kostenfreie (digitale) Vervielfältigung von Information als wirtschaftliche Bedrohung zu sehen, müssen wir diese, in der Geschichte der Menschheit noch nie dagewesene Möglichkeit, endlich als riesige gesellschaftliche Chance begreifen.
Ebenfalls interessant:
Wirtschaftlicher Erfolg ist in der Informationsgesellschaft zunehmend nicht mehr von technischen Erfindungen, sondern von Wissen und Information und deren Erschließung abhängig. Das Bestreben, diese Faktoren nun ebenso mittels des Patentsystems zu regulieren, steht unserer Forderung nach Freiheit des Wissens und Kultur der Menschheit diametral entgegen.
Wir lehnen Patente auf Lebewesen und Gene, auf Geschäftsideen und auch auf Software einhellig ab, weil sie unzumutbare und unverantwortliche Konsequenzen haben, weil sie die Entwicklung der Wissensgesellschaft behindern, weil sie gemeine Güter ohne Gegenleistung und ohne Not privatisieren und weil sie kein Erfindungspotential im ursprünglichen Sinne besitzen. Die gute Entwicklung klein- und mittelständischer IT-Unternehmen in ganz Europa hat beispielsweise gezeigt, dass auf dem Softwaresektor Patente völlig unnötig sind.
Quelle: Parteiprogramm der Piratenpartei Deutschland S. 6
An der Diskussion um Softwarepatente nehmen leider zu wenig Menschen teil, die wissen, was Quellcode ist. Ein Patent auf Software ist wie ein Patente auf eine Methode ein Küchenmesser festzuhalten. Die Absurdität von Softwarepatente zeigen eindrucksvoll die Nominierte für das Softwarepatent des Jahres auf nosoftwarepatents-award.com.
Besonders humorige Beispiele:
- die Fa. Lucent Technologies hält ein Patent, dass den Versand von eMail-Anhängen zum Gegenstand hat [link]
- Siemens hält ein Patent, dass Datenübertragung über Mobilfunknetze schützt [link]
Dieses Parteiprogramm hat mich doch gleich mal veranlasst, der Partei beizutreten, denn es ist das erste Parteiprogramm, welches ich vom ersten bis zum letzten Wort unterschreiben kann. (Mir ist bewusst, dass dies sicher auch am eingeschränkten Themenspektrum liegt.)